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13.08.2009 00:00

Q-Cells kündigt umfassendes Maßnahmenpaket an

  • Umsatz im ersten Halbjahr 2009 um 36,8 Prozent auf 366,2 Mio. Euro gesunken, EBIT mit -47,6 Mio. Euro negativ
  • Produktionsvolumen von 272,2 MWp
  • Maßnahmenpaket zur Kapazitätsanpassung und Kostensenkung, Stärkung der Technologieposition und Sicherung der Liquiditätsreserven beschlossen


Bitterfeld-Wolfen, 13. August 2009 - Das Photovoltaikunternehmen Q-Cells SE (QCE; WKN 555866) hat den Halbjahresbericht zum 30. Juni 2009 vorgelegt. Nach einer deutlichen Verschlechterung des Geschäftsverlaufs für Q-Cells SE in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres stellte der Vorstand ein umfassendes Maßnahmenprogramm vor, mit dem die Ertragskraft deutlich verbessert werden soll. Wie bereits berichtet, sank  der  Umsatz  im  ersten  Halbjahr  von  579,5  Mio.  Euro  in  der Vorjahresperiode auf 366,2 Mio. Euro. Einem  Gewinn im operativen Geschäft (EBIT) von 119,1 Mio. Euro in den ersten sechs Monaten  des vergangenen Jahres  steht ein operativer Verlust von -47,6 Mio. Euro im gleichen Zeitraum 2009 gegenüber. Beeinflusst durch eine weitere Abschreibung im Zusammenhang mit dem Verkauf der Anteile an Renewable Energy Corporation ASA (REC) im Mai fiel für das erste Halbjahr 2009 ein Periodenverlust von 696,9 Mio. Euro an. Das Produktionsvolumen ist mit 272,2 MWp gegenüber dem ersten Halbjahr 2008 nahezu konstant geblieben. Im Wesentlichen wurde das Geschäft negativ beeinflusst durch einen massiven Preisverfall bei Solarzellen und eine deutlich verringerte Nachfrage. Gegen den Trend verzeichnete das  Projektgeschäft, das bei der vollkonsolidierten Tochter Q-Cells International GmbH gebündelt ist, weiterhin starkes Wachstum bei der Planung und Umsetzung großer Solarparks. Das Unternehmen erzielte bei einem Umsatz von 128,0 Mio. Euro ein EBIT von 8,0 Mio. Euro im Halbjahr. Derzeit errichtet Q-Cells International unter anderem den mit rund 54  MWp bislang größten deutschen Solarpark im bayrischen Strasskirchen. 

„Der Geschäftsverlauf zeigt, wie schnell und wie dramatisch sich die Märkte für uns verändert haben. Um hier rasch und umfassend gegenzusteuern, haben wir mit Q-Cells Reloaded ein dreiteiliges Maßnahmenprogramm entwickelt, mit dem wir Q-Cells an die strukturell veränderten Marktbedingungen anpassen werden. Ziel ist, mittelfristig wieder nachhaltig profitabel zu wachsen“, sagt Anton Milner, Vorsitzender des  Vorstandes von Q-Cells SE. Milner weiter: „Natürlich bekommen wir den Preisdruck, der aus den Überkapazitäten resultiert, und die weiterhin schleppende Finanzierung von Großprojekten als Folge der Finanzmarktkrise zu spüren. Diese Problemfelder werden wir neben weiteren im Rahmen von Q-Cells Reloaded sehr entschlossen angehen.“ Daneben belasten langfristige Verträge mit Wafer-Lieferanten, die sich mittlerweile nachteilig auswirken, die im internationalen Vergleich in Teilen zu teure Fertigung und vergleichsweise hohe Gemeinkosten das Ergebnis. 

Maßnahmenpaket „Q-Cells Reloaded“ 

Das Maßnahmenpaket sieht im Einzelnen vor: 

1. Kapazitätsanpassung und Kostensenkung 

Aufgrund des Überangebotes bei Siliziumwafern liegt der kurzfristige Marktpreis für dieses Vorprodukt seit Anfang des Jahres unterhalb des Preisniveaus, das Q-Cells mit seinen Lieferanten in den Verträgen für 2009 vereinbart hat. Daraus entstand alleine im ersten Halbjahr ein Wettbewerbsnachteil in Höhe von rund 50 Mio. Euro. 2010 sehen die Verträge eine Angleichung an den Marktpreis vor, so dass dieser Nachteil größtenteils entfällt. Daneben liegen die Kostenstrukturen der Produktionslinien der älteren Generation am Standort Thalheim um etwa 30% über dem mittlerweile üblichen Niveau im internationalen Wettbewerb. Dies ist im Wesentlichen auf erhebliche Skalierungseffekte, die mit größeren Linien erreicht werden können, und den technischen Stand der älteren Anlagen zurückzuführen. Daher hat der Vorstand beschlossen, diese Linien stillzulegen. Zusammen mit der notwendigen Reduzierung der Gemeinkosten über alle Bereiche werden damit rund 500 Arbeitsplätze dauerhaft wegfallen. Zusätzlich wird das Instrument Kurzarbeit abhängig von der Marktentwicklung am Standort Thalheim weiterhin genutzt. Insgesamt wird damit eine Reduzierung der Produktionskosten um 25% erreicht.  

2. Stärkung der Technologieposition 

Q-Cells fokussiert seine Forschungsaktivitäten im Bereich der Solarzellen auf marktnahe und kurz- bzw. mittelfristig erfolgversprechende Projekte. Zuletzt konnte hier bei monokristallinen Zellen ein Wirkungsgrad von 18,3% erzielt werden. „Auf dieser Basis werden wir bis Ende 2011 einen Wirkungsgrad von 20% in  der Technologie erreichen“, erläutert Gerhard Rauter, im  

Q-Cells-Vorstand zuständig für die Produktion. 

Innerhalb seines Technologie-Portfolios konzentriert sich Q-Cells zukünftig auf die DünnschichtUnternehmen Solibro (CIGS) und Calyxo (CdTe), die von Q-Cells kontrolliert werden. Dabei ist vom Vorstand von Q-Cells SE der Auftrag an Calyxo ergangen, sein technologisches Potential bis zum Jahresende in der Massenfertigung unter Beweis zu stellen. Der Wirkungsgrad der besten Dünnschicht-Module von Solibro, die seit Beginn der Massenfertigung bereits rund 9 MWp produziert hat, betrug zuletzt 11,7%. Für den weiteren Ausbau der übrigen Beteiligungen kooperiert Q-Cells weiterhin mit Partnern außerhalb des Unternehmens. 

3. Sicherung der mittelfristigen Liquiditätsreserven 

Um bis Anfang 2011 ausreichenden Spielraum für die Übergangsphase zu schaffen, wird die Innenfinanzierung von Q-Cells gestärkt. Sämtliche Investitionsprojekte insbesondere für 2010 werden dazu auf den Prüfstand gestellt und die Kapitalbindung in Projekten und Vorräten verringert. Gegenüber der ursprünglichen Planung erwartet Q-Cells einen verminderten Mittelaufwand von  ca. 300 Mio. Euro. „Mit einem deutlich strafferen  Working CapitalManagement in der Produktion und im Projektgeschäft reduzieren wir den Cash-Bedarf um rund 200 Mio. Euro. Bis zu 100 Mio. Euro Mittelabfluss vermeiden wir durch eine Reduzierung unseres Investitionsprogramms“, sagt Dr. Nedim Cen, Finanzvorstand der Q-Cells SE.

„Nach den großen Erfolgen in der Aufbauzeit, die wir auch einer einzigartigen Mannschaft zu verdanken haben, stehen wir heute vor großen Herausforderungen. Um Q-Cells sicher durch die Krise zu steuern und dem Unternehmen eine langfristige Perspektive am Standort Thalheim zu geben, sind die Maßnahmen inklusive des Personalbbaus unabdingbar – auch wenn uns das sehr schmerzt. Gleichzeitig werden wir im Bereich Forschung und Entwicklung, im Vertrieb und in der Dünnschicht selektiv sogar neue Stellen schaffen, um uns zukünftig wieder stärker durch einen technologischen Vorsprung vom Wettbewerb zu differenzieren“, schließt Milner.

Mit dem Wandel der Photovoltaik-Märkte werden sich auch neue Segmente und Regionen eröffnen. Aufbauend auf dem Projektgeschäft von Q-Cells International, die sich als feste Größe im Markt etablieren konnte, wird sich Q-Cells ergänzend zum Produktgeschäft zukünftig stärker im Systemgeschäft engagieren. Milner: „Wir werden eigenes System-Know-how in ausgewählten Märkten anbieten.“