<- Zurück zu: Unternehmensmeldungen
10.08.2011 15:57

Q-Cells gibt Ergebnis für das zweite Quartal 2011 bekannt.

  • Starker Umsatzanstieg im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorquartal
  • Operativer Verlust geprägt durch erhebliche Einmaleffekte
  • Trotz Marktbelebung im zweiten Halbjahr negatives EBIT für Gesamtjahr erwartet – Positives EBIT für 2012 angestrebt
  • Maßnahmenpaket zur Kostensenkung in Produktion und Verwaltung
  • Andreas von Zitzewitz neuer Vorstand für Produktion und Technologie


Bitterfeld-Wolfen (Deutschland), 10. August 2011 – Die Q-Cells SE hat den Umsatz im Vergleich zum überaus schwachen ersten Quartal deutlich steigern können, allerdings wegen des anhaltenden Preisverfalls und hoher Einmaleffekte auch im zweiten Quartal ein negatives EBIT verbucht. Auch für das Gesamtjahr 2011 wird trotz einer sich abzeichnenden Markbelebung ein operativer Verlust erwartet. Ein Maßnahmenpaket, das die Verschlankung der Organisation sowie die Optimierung von Kosten umfasst, soll dazu beitragen, in einem weiterhin als schwierig erwarteten Geschäftsjahr 2012 operativ in die Gewinnzone zurückzukehren.

Die Q-Cells SE konnte im abgelaufenen Quartal den Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2011 deutlich steigern. Das Unternehmen erzielte im zweiten Quartal - insbesondere aufgrund eines starken Systemgeschäftes - einen Umsatz in Höhe von 316,0 Mio. Euro (Q1 2011: 125,1 Mio. Euro). Aufgrund des schwierigen Marktumfeldes und des weiteren Preisverfalls im zweiten Quartal verzeichnete Q-Cells jedoch ein negatives EBIT. Darüber hinaus belasteten Einmaleffekte in signifikanter Höhe zusätzlich das operative Ergebnis des zweiten Quartals 2011. Sowohl auf das Sachanlagevermögen als auch auf die Vorräte wurden aufgrund der geänderten Marktbedingungen erhebliche Wertberichtigungen vorgenommen. Die Wertberichtigungen auf das Sachanlagevermögen der deutschen Produktionsstandorte betragen 139,7 Mio. Euro, der Vorratsbestand des Konzerns wurde im zweiten Quartal um 73,2 Mio. Euro wertberichtigt. Inklusive der Aufwendungen im Zusammenhang mit langfristigen Lieferverträgen in Höhe von 43,6 Mio. Euro belaufen sich die Einmaleffekte im zweiten Quartal auf 256,5 Mio. Euro. Im Weiteren wurde der operative Verlust von 307,7 Mio. Euro (H1 2011: -318,3 Mio. Euro) im zweiten Quartal durch Leerkosten infolge der geringen Kapazitätsauslastung sowie einen Preisverfall sowohl auf Zell- als auch Modulebene bedingt. Bereinigt um die Einmaleffekte sowie Leerkosten beträgt das operative Ergebnis (EBIT) im zweiten Quartal -24,4 Mio. Euro. Nach Zinsen und Steuern ergibt sich ein Periodenfehlbetrag für das zweite Quartal von 354,8 Mio. Euro (H1 2011: -395,8 Mio. Euro).

„Im ersten Halbjahr hat uns vor allem das sehr schwierige Marktumfeld in Europa hart getroffen hat. Ich erwarte auch im kommenden Jahr einen harten Wettbewerb und keine wesentliche Veränderung der Nachfrage, aber wir werden deutlich besser aufgestellt sein“, sagte Nedim Cen, Vorstandsvorsitzender der Q-Cells SE. „Ich bin davon überzeugt, dass die Strategie richtig ist, Q-Cells zum Anbieter von Photovoltaik-Lösungen weiter zu entwickeln.“


Maßnahmenpaket eingeleitet

Angesichts der schwierigen Marktsituation und Ergebnisse für das erste Halbjahr hat der Vorstand heute ein Maßnahmenprogramm beschlossen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens weiter zu stärken. Dieses Programm steht unter Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrates. Ende letzten Jahres hatte Q-Cells ein umfassendes Restrukturierungsprogramm abgeschlossen, in dessen Rahmen das Unternehmen sich auf sein Kerngeschäft fokussiert, deutliche Kosteneinsparungen erzielt und sein Modulportfolio aufgebaut hat. Nachdem im zweiten Quartal 2011 die Produktion gedrosselt wurde, schärft das nun geplante Maßnahmenpaket nach.

Die Kosten für die Produktion von Solarzellen und Modulen sollen durch die geplanten Maßnahmen signifikant gesenkt werden. Dafür konzentriert Q-Cells die Fertigung auf hoch wirtschaftliche Anlagen, insbesondere im malaysischen Werk des Unternehmens, das für das zweite Halbjahr voll ausgelastet sein wird. Die Produktionskapazität für Solarzellen am Unternehmenssitz in Bitterfeld-Wolfen wird dauerhaft auf 50 Prozent reduziert. Die Modulfertigungslinie für kristalline Q.PEAK Hochleistungsmodule wird derzeit in Bitterfeld-Wolfen hochgefahren. Q.SMART Dünnschichtmodule in CIGS-Technologie werden bei der Tochterfirma Solibro ab sofort in der Blueprint-Produktionslinie wieder unter Vollauslastung gefertigt. Insgesamt richtet das Unternehmen seine Produktionskapazität für 2012 auf 1,0 bis 1,2 Gigawatt aus.

Die Forschung und Entwicklung wird von der Solarzelle hin zu Solarsystemen und Anwendungen erweitert, um hier noch rascher marktgängige Angebote mit wettbewerbsfähigen Systemkosten zu entwickeln. Systemlösungen, wie Flachdächer, Carports oder Systemkits sollen insbesondere in den Geschäftsfeldern private Dachanlagen (Residential) und kommerzielle Solaranlagen (Commercial & Industrial), die Q-Cells verstärkt ausbauen will, eingesetzt werden. Auch die Vertriebsaktivitäten werden noch klarer auf Kundengruppen und internationale Zielmärkte fokussiert und die Strukturen vereinfacht.

Insgesamt ist es das Ziel des Maßnahmenbündels, Komplexität zu reduzieren. Darüber hinaus arbeitet Q-Cells kontinuierlich an der Kostensenkung sowohl in der Produktion als auch bei der Beschaffung von Rohmaterialien und Solarwafern. In der Verwaltung sollen 25 bis 30 Prozent der Kosten durch die Fokussierung von Aufgaben sowie die Verschlankung der Organisationsstrukturen und Prozesse eingespart werden. Bei der Straffung der Organisationsstrukturen und der Anpassung der Produktion sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. Bereits im Zuge der Produktionsanpassung im April hat das Unternehmen Leiharbeitnehmer nicht weiter beschäftigt. Derzeit wechseln etwa 90 Produktionsmitarbeiter in die im Juli neu eröffnete Solarmodulproduktion.


Veränderungen im Vorstand

Der Aufsichtsrat wird auf seiner Sitzung am 11. August 2011 über Veränderungen im Vorstand entscheiden. Andreas von Zitzewitz soll als Vorstandsmitglied mit sofortiger Wirkung bestellt werden und die Aufgaben des COO übernehmen. Damit verantwortet er die Bereiche Produktion, Forschung & Entwicklung, Einkauf, Logistik und Qualität. Diese Aufgaben lagen seit dem Weggang von Gerhard Rauter im Mai 2011 interimsweise beim Vorstandsvorsitzenden Nedim Cen. Andreas von Zitzewitz verfügt über umfangreiche Führungserfahrung in den ihm übertragenen Bereichen, die er zuletzt als Vorstandsmitglied des Solarunternehmens Conergy, zuvor beim Halbleiterproduzenten Infineon Technologies und bei Siemens gesammelt hat. Der 51-jährige promovierte Elektrotechnik-Ingenieur wird sich bei Q-Cells auf die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit konzentrieren, sowohl im Hinblick auf kristalline Solarzellen, Solarmodule und Solarsysteme als auch auf CIGS Dünnschichtmodule des Tochterunternehmens Solibro.

„Ich freue mich, dass Andreas von Zitzewitz sich als erfahrene Führungspersönlichkeit für Q-Cells zur Verfügung stellt. Er soll sich auf die Stärkung unserer Innovationskraft und Produktivität sowie auf die Professionalisierung der Geschäftsprozesse fokussieren. Dabei kommen ihm und dem Unternehmen seine Branchenkenntnisse aus der Photovoltaik- und Halbleiterindustrie zugute“, sagte Vorstandsvorsitzender Nedim Cen.


Marktbelebung – bei vollen Lagern

Die Erfolge der letzten Wochen bestätigen, dass Q-Cells mit seiner strategischen Ausrichtung auf dem richtigen Weg ist – und der Solarmarkt sich wieder belebt. Die Produktpreise stehen jedoch weiter stark unter Druck, da die Lager noch gut mit Beständen gefüllt sind. Während der Markt im ersten Quartal fast vollständig zum Erliegen kam, zog die Nachfrage Ende des zweiten Quartals wieder an. Dies zeigt sich im starken Umsatzwachstum des zweiten Quartals im Vergleich zum Vorquartal. Im Geschäftsfeld Systeme konnte der Verkaufsprozess für den deutschen Solarpark Finsterwalde II & III erfolgreich abgeschlossen werden. Zudem sind die ersten beiden Bauabschnitte des Solarparks Zerbst fertig gestellt worden. Mit dem Bau der nächsten drei Abschnitte des Projektes mit einer Größe von insgesamt 26 MWp ist Q-Cells im dritten Quartal beauftragt worden.

Im kanadischen Ontario konnte Q-Cells erneut einen Auftrag für ein 10 MWp Solarprojekt der Starwood Energy Group Global verbuchen und wird dort somit ein Gesamtvolumen von 60 MWp realisieren. Um auch in den Zukunftsmärkten im asiatisch-pazifischen Raum präsent zu sein, baut Q-Cells derzeit seinen Produktionsstandort in Malaysia zum neuen regionalen Vertriebsknotenpunkt aus. Zudem hat Q-Cells für das dritte Quartal einen ersten Großauftrag für 20 MWp Q.SMART Dünnschicht-Solarmodule erhalten. Derzeit operiert Q-Cells für das dritte Quartal mit einem Auftragsbestand von deutlich über 200 Mio. Euro.

Um die Marke Q-Cells und den Vertrieb zu stärken, ist das Unternehmen zudem eine Sponsoring-Partnerschaft mit dem BVB Dortmund eingegangen. Unter dem Motto „SolarChampions“ hat der deutsche Fußballmeister und Teilnehmer der Championsleague Q-Cells unter 20 Bewerbern ausgewählt, um nachhaltigen Solarstrom zu bewerben. Integraler Bestandteil ist eine Solaranlage auf dem Dach und an der Fassade des Stadions, mit dem Q-Cells seine Kompetenz im Segment der gewerblichen Dachanlagen unter Beweis stellt – für ein ausgewähltes Fachpublikum begleitet durch das Partnerschaftsprogramm PRO.MAP zur Vertriebsunterstützung.

„Mit der Qualität und Ertragssicherheit unserer Produkte bieten wir unseren Kunden ein attraktives Portfolio. Unsere neue Flachdach-Anwendung zeigt, dass wir mit cleveren Lösungen erhebliche Systemkosten sparen können“, sagte Nedim Cen. „Diesen Weg wollen wir mit unseren Kunden und Partnern, die auf unsere technologische Kompetenz und unser Lösungs-Know-how vertrauen, weiter verfolgen.“


Ausblick

Mittelfristige Marktprognosen lassen erwarten, dass sowohl 2011 als auch 2012 von intensivem Wettbewerb in der globalen Photovoltaik-Industrie durch hohe Produktionsüberkapazitäten gekennzeichnet sein werden. Erst danach wird Solarstrom in wachsendem Maße – auch unabhängig von staatlichen Förderprogrammen – konkurrenzfähig sein und damit neue Märkte erschließen. Auf dieses Szenario richtet sich Q-Cells mit den aktuellen Maßnahmen strategisch aus.

Für das Gesamtjahr 2011 erwartet die Q-Cells SE einen Umsatz in Höhe von rund 1 Mrd. Euro sowie einen operativen Verlust im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, da auch im zweiten Halbjahr 2011 Einmalaufwendungen für das beschlossene Maßnahmenpaket anfallen werden. Zum Jahresende 2011 plant Q-Cells u.a. auf Basis einer Reduzierung des Working Capital einen Cash-Bestand von 300 bis 350 Mio. Euro.

Mit dem aktuellen Maßnahmenpaket, der kontinuierlichen Verbesserung der Kostenpositionen und der weiteren Entwicklung der strategischen Geschäftsfelder Residential und Commercial & Industrial verfolgt Q-Cells das Ziel, im Jahr 2012 wieder ein positives operatives Ergebnis (EBIT) zu erwirtschaften.

„Wir sind davon überzeugt, dass die Solarbranche mittelfristig positive Aussichten bietet, die wir zusammen mit unseren Kunden und Partner mit gestalten wollen“, sagte Nedim Cen.